Der Landkreis Coburg besitzt mit dem Muschelkalkzug der Langen Berge und den Bruchschollenkuppen eine einzigartige Kulturlandschaft. Neben Ackerbau, der bis in die Bronzezeit zurückreicht, der Feldgraswirtschaft und verschiedenen Waldnutzungsformen, wie etwa dem Mittelwald, zur Brenn- und Bauholzgewinnung, hatte bis in die jüngere Vergangenheit vor allem die Schafhaltung in Form der Wanderschäferei große Bedeutung.
Aufgrund dieser extensiven Landnutzung entwickelten sich in langen Zeiträumen auf einer Länge von etwa 35 km für ganz Nordbayern höchst bedeutsame Trocken- und Magerlebensräume.
Das Naturschutzgebiet Lauterberg (ca. 190 ha) stellt dabei eines der größten und wichtigsten Halbtrockenrasengebiete in Bayern mit sogar europaweiter Bedeutung dar. Zudem vernetzt der Muschelkalkzug als großräumige Biotopbrücke die nordwestlich angrenzenden Trockenlebensräume des Oberen Werratales in Thüringen und der Mainfränkischen Platten im Westen mit den südöstlichen Jurakalkgebieten der Fränkischen Schweiz.
Seine sehr vielfältigen Lebensräume dienen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Überlebensstätten in der sonst ausgeräumten Kulturlandschaft. Zu nennen wären Raubwürger, Heidelerche, Küchenschelle oder Schlingnatter. Die seltene Kornweihe brütet hier. Insgesamt kommen mehr als 120 Vogelarten als Gast- und Brutvogel vor.
- Trockenlebensräume
Diese Standorte sind unverzichtbar für viele seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Jedoch verbuschen sie zusehends, da eine Mahd oder die Beweidung heute ausbleibt. Wiederbewaldung setzt ein und nimmt den anspruchsvollen, lichtbedürftigen Pflanzen, wie der Küchenschelle, verschiedenen Orchideenarten und den drei hier heimischen Enzianarten ihren Lebensraum. Der Ackerwachtelweizen, der Schwalbenschwanz oder die Rotflügelige Schnarrschrecke sind ebenfalls auf offene, nährstoffarme Standorte angewiesen. Seltene Pflanzen wie Sommer-Adonisröschen, Ackerkohl und Blauer Ackergauchheil können in den trocknen, steinscherbenreichen Äckern entdeckt werden.
- Vielfalt der Lebensräume
Flachgründige Scherbenäcker und Ackerbrachen, wärmeliebende Raine und lichte Kiefernheiden stehen in enger Verbindung und stellen einen wichtigen Aspekt in einem Biotopverbundsystem dar. So kommen hier noch der Rote Milan, der Ziegenmelker, die Bechsteinfledermaus, die Große Händelwurz oder der Warzenbeißer vor.
- Ziele des Projektes
- Schutz und Erhaltung der landesweit bedeutsamen Lebensräume mit ihren typischen Pflanzen- und Tierarten
- Überregionale Vernetzung der Naturräume, Vergrößerung sowie Neuschaffung geeigneter Lebensräume
- Erhalt der Mittelwaldnutzung und der Wanderschäferei
- Maßnahmen
- Dauerhafte Sicherung und Optimierung von schützenswerten Lebensräumen
- Verträge mit Landwirten zur naturschutzgerechten Landnutzung
- Entbuschung von Magerrasen und Heiden
- Mahd und Beweidung zum Offenhalten der Magerstandorte
- Neupflanzung von Hecken und Feldgehölzen
- Fortsetzung der Mittelwaldbewirtschaftung in ausgewählten Bereichen
- Förderung und Wiederaufbau eines Netzes von Ackerbrachen, Rainen und Ranken
- Alte Ackernutzungsformen z.B. der Dreifelderwirtschaft auf Scherbenäckern zeugen von Kulturgeschichte und sichern die Vielfalt der Ackerwildkräuter
- Förderung nachhaltiger Nutzung
- Aufbau regionaler, naturgerechter Wirtschaftskreisläufe zur dauerhaften Sicherung wertvoller Lebensräume