Hintergrund

In Bayern gibt es ca. 300 Naturschutzprojekte, die der Umsetzung von sogenannten Arten- und Biotopschutzprogrammen (ABSP) dienen. Diese Programme gibt es in Bayern für jeden Landkreis. Sie bestehen aus Text- und Kartenbänden und geben Hinweise auf die Entwicklung und Pflege von Lebensräumen in den jeweiligen Landkreisen. Diese Hinweise in die Praxis umzusetzen, ist die Aufgabe von ABSP-Umsetzungsprojekten, zu denen auch das ABSP-Projekt „Rodachtalachse“ gehört. Hintergrund der Bemühungen ist die Schaffung eines bayernweiten Netzes von ökologisch wertvollen Lebensräumen. Deshalb werden die ABSP-Projekte jetzt auch als Bayern Netz Natur (BNN) -Projekte bezeichnet. Das ABSP-Projekt wird auf dem Gebiet der Initiative Rodachtal e.V., umgesetzt. Die Initiative Rodachtal e.V. ist ein Zusammenschluss von drei bayerischen und drei thüringischen Kommunen im westlichen Landkreis Coburg und südlichen Landkreis Hildburghausen. Der namengebende Fluss, die Rodach, wechselt in ihrem Verlauf dreimal die Ländergrenze zwischen Thüringen und Bayern. Das ABSP-Projekt „Rodachtalachse“ ist wie die ABSP-Projekte „Lange Berge/Bruchschollenkuppen“ und „Linder Ebene, Steinachtal und Thanner Grund“ ein grenzüberschreitendes Projekt.

Umsetzung

Das Ziel des Biotopverbunds, also die Vernetzung von Lebensräumen, wird bei der Umsetzung der ABSP-Projekte vor allem über den Ankauf von Flächen realisiert.

Die angekauften Flächen werden dann naturschutzfachlich gestaltet. Beispielsweise werden Feuchtbiotope angelegt, Hecken gepflanzt oder die Flächen als Brachen der natürlichen Entwicklung überlassen.

Im Naturschutzgebiet Bischofsau nördlich von Bad Rodach wurde ein Feuchtbiotop angeleg
Bei der Ansaat von Flächen mit der blütenreichen Lebensraum I-Mischung spielte das ABSP-Projekt „Rodachtalachse“ eine Vorreiterrolle

Die oben dargestellte Mischung bleibt über mehrere Jahre ungemäht stehen und bietet Tieren dadurch auch im Winter Nahrung und Unterschlupf. Die Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Veitshöchheim hat die Zusammensetzung der Mischung gemeinsam mit Landwirten und Jägern ausgearbeitet.

Angekaufte Flächen können verschiedene Funktionen erfüllen, bei einer ausreichend großen Ausdehnung haben sie eine eigene Wertigkeit als Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Kleinere Flächen können als sogenannte Trittsteine dienen, sozusagen als „Sprungbretter“ für den Weg von einem Lebensraum zum nächsten.

Bei einem Flächenankauf gibt es bestimmte Ziele. Diese richten sich nach der Lage und Beschaffenheit der Flächen. Insbesondere wird jedoch berücksichtigt, welche Tier- und Pflanzenarten bereits auf der Fläche und in der näheren Umgebung vorkommen und welche Arten man mit dem Ankauf fördern möchte. Bei einer feuchten Fläche könnte beispielsweise das Ziel sein, die Anzahl der bereits vorkommenden Frösche zu erhöhen, zum Einen um die Froschpopulation zu stabilisieren, zum Anderen um das Gebiet für den Weißstorch attraktiv zu machen, der im Rodachtal bereits teilweise brütet, aber noch keine Kontinuität im Vorkommen aufweist.

Im Naturschutzgebiet Heiligenleite und Heiligenwiese wurde auf einer angekauften Fläche ein Graben aufgeweitet und angestaut. Die Anzahl der Grünfrösche hat sich seit der Maßnahme erhöht.

Thematisch hat das Projekt drei Schwerpunktbereiche

Die Erhaltung und Pflege des Grünen Bandes

Schaffung einer strukturreichen Kulturlandschaft

Ein weiterer Aufgabenbereich des ABSP-Projekts „Rodachtalachse“ ist die Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen dieses Moduls wurden Faltblätter, Plakate, Lehrtafeln u.ä. gestaltet sowie Führungen und Vorträge gehalten

Beim Gewässertag erfuhren die Kinder viel über den Lebensraum Bach und legten beim Bau einer Faschine (Bündel aus Weiden- und Erlenästen) selbst Hand an.

Das wichtigste und umfassendste Teilprojekt innerhalb der Öffentlichkeitsarbeit stellt das Naturführer-Projekt dar. Das Naturführer-Projekt dient der Weiterführung des Naturschutzgedankens im Rodachtal über das Ende der Laufzeit des ABSP-Projekts hinaus.

Für das Rodachtal wurden 14 Personen als Naturführer ausgebildet, die Führungen zu verschiedenen Themen in der freien Natur anbieten.

Über das Naturführer-Projekt können Sie sich auf folgender Homepage genauer informieren: www.natur-grenzenlos.de

Mit einem Artenhilfsprogramm für Hautflügler (Bienen, Wespen und Ameisen) sollen die Lebensräume und Lebensbedingungen für diese Arten verbessert werden.

Viele Wildbienen- und Wespenarten benötigen Rohboden (vegetationsfreien Boden) für die Anlage ihrer Nester. Diese werden in Form einer Neströhre in den Boden gegraben. Verbuschende Flächen werden kleinräumig mit einem Bagger wieder freigestellt, so dass neuer Rohboden entsteht.

Der Erfolg der durchgeführten Naturschutzmaßnahmen wird durch Erfolgskontrollen überprüft.

Der Bereich naturschutzgerechte Landnutzungsformen unterstützt beispielsweise die Erzeugung von Produkten aus Streuobstwiesen. Durch die Vermarktung der Produkte hat die Bevölkerung auch einen ökonomischen Anreiz die naturschutzfachlich wertvollen Streuobstbestände zu erhalten.

Projektträgerschaft und Förderung

Das Projekt wird vom Bayerischen Naturschutzfonds mit EU-Kofinzanzierung gefördert. Der Landschaftspflegeverband Coburger Land e.V. übernahm die Trägerschaft des Projekts. Die Umsetzung des Projekts erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Coburg, dem Landkreis Hildburghausen, dem Freistaat Bayern, dem Freistaat Thüringen und den Naturschutzverbänden LBV, BN und Wildland GmbH. Angeregt wurde das Projekt durch einen Arbeitskreis der Initiative Rodachtal e.V. Der Arbeitskreis Natur, Landschaft und Landwirtschaft der Initiative Rodachtal e.V. fungierte gemeinsam mit den zuständigen Fachbehörden als projektbegleitende Steuerungsgruppe.