Warum Biotopverbund?

Eine vielgestaltige, kleinräumig parzellierte Kulturlandschaft, wie sie um 1850 in Mitteleuropa weit verbreitet war, beherbergte ein Maximum an Tier- und Pflanzenarten. Gleiche oder ähnliche Lebensräume standen in engem räumlichen Kontakt, z. B. umgaben Hecken in einem dichten Netz die kleinflächigen Felder und Wiesen. Dadurch besaßen die heckenlebenden Tierarten einen Lebensraum, der nicht nur eine große Fläche einnahm, sondern der die nahezu uneingeschränkte Wanderung der einzelnen Tiere entlang der Gehölzstreifen erlaubte. Somit waren erstens ausreichend große Populationen der einzelnen Arten vorhanden, zweitens war ein ungehinderter Austausch zwischen den Populationen möglich.

Die Intensivierung der Flächennutzung führte zum Verlust eines großen Teils der naturnahen und extensiv bewirtschafteten Lebensräume. Die verbliebenen Restbiotope wurden in isolierte Inseln zersplittert, die durch intensive Nutzflächen, durch Verkehrswege und Siedlungsgebiete voneinander getrennt sind. Der ehemals enge Biotopverbund ist unterbrochen, die Restflächen werden durch die umliegende Nutzung stark beeinträchtigt, zahlreiche Tier- und Pflanzenarten verschwinden und es kommt zu einer Artenverarmung.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde die Erhaltung und Neuschaffung von Biotopverbundsystemen im Bayer. Naturschutzgesetz gesetzlich verankert.

Art. 1 Abs. 2 Nr. 6 BayNatSchG:

"Die Lebensräume wildwachsender Pflanzen und wildlebender Tiere sollen nach Lage, Größe und Beschaffenheit den Austausch zwischen verschiedenen Populationen von Tieren und Pflanzen und deren Ausbreitung gemäß ihrer artspezifischen Bedürfnisse ermöglichen. Hierfür sind geeignete Teile von Natur und Landschaft zu erhalten, zu entwickeln oder in geeigneter Weise zu sichern. Sie bilden in Verbindung mit anderen ökologisch bedeutsamen Flächen und Strukturelementen Biotopverbundsysteme. Zur Verbesserung der ökologischen Kohärenz des europäischen Netzes besonderer Schutzgebiete "Natura 2000" sollen diese Lebensräume erhalten und gepflegt werden."

Elemente des Biotopverbundes

  • Kernflächen sind Schutzgebiete und Biotope, die ausreichend groß sind, auch anspruchsvollen Arten als Dauerlebensraum zu dienen.


  • diese werden vernetzt durch lineare Verbindungsstrukturen wie Gewässer und Hecken
  • sowie sog. Trittsteinbiotope, die den Individuenaustausch zwischen den Kernflächen erleichtern.
  • Dazu kommt noch eine nachhaltige, naturverträgliche Nutzung der dazwischen liegenden Flächen, um die Isolationswirkung zu vermindern.

Wem nützt ein Biotopverbund?

  • In erster Linie natürlich den Tier- und Pflanzenarten, deren Lebensraum erhalten und verbessert wird, sowie den dem gesamten Naturhaushalt.
  • Aber auch dem Menschen, denn ...
    eine intakte Natur bedeutet mehr Lebensqualität.
    eine reich strukturierte Landschaft mit reichhaltiger Tier- und Pflanzenwelt und hohem Erholungswert ist das Grundkapital des Fremdenverkehrs.
    Biotoppflege und -neuanlage schafft und sichert Arbeitsplätze.

 

 

 

Beispiele für Biotopverbundprojekte im Landkreis Coburg

"Steinachtal und Linder Ebene"

Biotopverbund aus den Flüssen Steinach und Föritz, Teichen, Feuchtwiesen und den Brachen des ehemaligen Grenzstreifens.

"Lange Berge / Bruchschollenkuppen"

Vernetzung von Mager- und Trockenlebensräumen auf Muschelkalk

"Rodachtalachse"

Entwicklung der Fluß- und Bachtäler als durchgängige Verbundkorridore sowie denAufbau grenzübergreifender Biotopverbundsysreme sowohl für trockene als auch feuchte Offenlandlebensräume